Artikel von Nathalie Amiel 2010
Das ursprüngliche Tantra ist ein rein spiritueller Weg (Dakshina Tantra, rechter Weg), welcher darauf aus ist, durch Meditationspraxis und Yogaübungen (Asanas) den weiblichen(Yin, Nadi "Ida") und männlichen Pol (Yang, Nadi "Pingala") im Menschen zu vereinen. Dies ist etwa so, wie wenn man mit sich selbst die sexuelle Vereinigung eingeht. Die reine Ekstase mit sich selbst, das totale Verschmelzen mit der Matrix des Lebens, dem "Energiegewebe" aus dem alle Materie entsteht.
Hast Du schon mal voller Inbrunst laut geschrien (z.B. im Wald) um Deinen Frust abzulassen? Lässt Du Deiner Lust im Bett freien Lauf durch Stöhnen und Seufzen? Kannst Du Deinem Partner/Partnerin erlauben eigene, sexuelle Erfahrungen zu machen? Kannst Du Dich in Musik hineinfallen lassen und abtanzen ohne daran zu denken, was Andere denken? Kannst Du ekstatisch sein, in Trance kommen ohne Drogen und Alkohol? Wenn Du alles mit JA beantworten kannst, dann bist Du bereits eine tantrische Person oder nahe dran.
TANTRA und die Kundalini Energie
Im ursprünglichen Tantra, liegt die Aufmerksamkeit darin, durch Meditation die Vereinigung des weiblichen und männlichen Aspekts zu erreichen. Dies nennt man in der Sanskrit Sprache die "Erweckung der Kundalini Energie". Die Kundalinikraft befindet sich in einem latenten Stadium in mit Sitz an der Basis der Wirbelsäule. Im männlichen Körper befindet sie sich im Perineum zwischen Genitalien und After und im weiblichen Körper am unteren Teil der Gebärmutter, am Muttermund. Diese Kraft würde ich auch Sexualkraft, anders genannt Lebensenergie, nennen. Selbstverständlich leben wir jeden Tag mit und durch diese Kraft. Jedoch ist bei der "Erweckung" oder auch dem "Steigen der Kundalini", der Vorgang des Einbindens des Energiekörpers (feinstofflicher Körper) in das "Gewebe" = Matrix des Lebens, gemeint. Dies ist ein hochenergetischer Vorgang, beschrieben im Buch von Swami Satyananda Saraswati "Kundalini Tantra", Yoga Publications Trust, Munger, Bihar India. In diesem Vorgang wird die Trennung unserer Wahrnehmung, zwischen Materie und der Energiestruktur allen Lebens, aufgehoben. Dies wird dann möglich, wenn wir 1. unsere Energiefrequenz erhöhen und 2. unterscheiden können zwischen Verstandestätigkeit und "Sein".
Es gibt viele Wege in diesen Prozess einzutreten, aber keiner führt an Meditation vorbei: Kundalini Yoga, Meditation, Energiearbeit, Trancetanz, Körpertherapie und Tantra. Jedoch kann der Kundaliniprozess in der letzten Konsequenz nicht willentlich ausgelöst werden. Ein klares Signal für die gesteigerte Aktivität der Kundalini ist die unwillkürliche Bewegung der Wirbelsäule, starke Energiefülle im Becken, welche sich ausdehnt bis zum Kopf, verbunden mit Kribbeln, Hitze, Druck, Schütteln des Körpers usw.
Es gibt Menschen, deren Kundalini ist bereits aktiv, ohne dass sie es wirklich registrieren. Oftmals wird es während sexueller Aktivität bemerkt, wenn der Mensch über eine meditative, sexuelle Handlung in Ekstase gerät. Der Körper beginnt sich aus der Wirbelsäule heraus zu bewegen.
Menschen suchen Ekstase, das ist wahre Ekstase. Sexuelle Energie = Lebensenergie = Kundalinikraft hat nichts mit genitaler Interaktion zu tun. In der Kundaliniekstase fühlt sich der Mensch zwar orgasmisch und sehr sexuell, aber die Genitalien werden nicht stimuliert, ja, es besteht nicht einmal der Drang danach.
Das westliche Tantra unterscheidet sich vom östlichen Tantra darin, dass es die körperliche Auseinandersetzung mit der sexuellen Energie betont. Osho war ein Botschafter des westlichen Tantras. Er erkannte, dass der Mensch niemals frei werden kann, wenn er nicht alle Aspekte des Menschseins auslebt und integriert. Durch das totale Annehmen des Menschseins, mit all seinen Bedürfnissen und Begierden, sich selbst von aller Anhaftung befreien.
Das westliche Tantra, welches Nathalie vermittelt, verbindet Meditation mit Körperarbeit. Meditation, um nah an sich selbst zu kommen, sich wieder zu spüren, zu fühlen "was wirklich ist".
Die Menschen der "modernen" Zivilisation stehen unter enormem Leistungs- und Konsumdruck. Zeit für sich selbst zu haben ist das grösste Luxusgut geworden. Oftmals merken wir gar nicht, wie blockiert wir eigentlich sind, denn wir sind schon so dran gewöhnt auf halber Energie zu funktionieren. Die meisten von uns wissen gar nicht, was es bedeutet total im Jetzt zu sein und den "Strom der Lebensenergie" zu fühlen.
Sobald wir aus dem Kopf kommen ist der Flow da. Die Energie überhaupt, welche sich wie eine Schlange in unserm Rücken bewegt und vibrierend unser Becken mit süsser Fülle belebt und uns in den orgasmischen Ozean eintreten lässt.
Dies ist der Versuch zu beschreiben, was ausgelöst wird, wenn wir loslassen. Einfach nur loslassen...Für die meisten Menschen das schwierigste Unterfangen überhaupt.
Ohne sexuelle Interaktion und nicht einmal durch berühren des Intimbereichs orgasmisch sein?
Für die meisten Menschen undenkbar. Wir sind ja nicht einmal in der Lage die verschiedenen, sexuellen Ebenen differenziert wahrzunehmen.
Darum westliches Tantra. Von OSHO wurden zahlreiche, dynamische Meditationsweisen entwickelt, um aus dem Kopf zu kommen, aus sich heraus zu kommen, Dampf abzulassen, bevor man sich still hinsetzt und einfach da ist. DA SEIN, mit allem was jetzt gerade ist.
Westliches Tantra