Was wäre, wenn wir immer die Wahrheit sagen?
Schon mal probiert?
Konsequent immer sagen, was deine Wahrheit ist. Jetzt, in jedem Moment.
Keine Notlügen mehr, kein Gemauschel, kein Geheuchel, keine Selbstbelügung, kein Beschönigen, kein Schonen.
Das heisst aber nicht, dass man verletzend sein muss. Die Kunst dabei ist, eine authentische Kommunikationskultur zu etablieren, welche nicht reaktiv ist, sondern entspannt. Dies für sich selbst und damit auch für andere.
Was wäre, wenn wir immer die Wahrheit sagen?

Kommentare
Hier zwei Beispiele:
"Mir geht es nicht gut, weil ich in unserer Beziehung .... nicht ausleben/erleben/spüren kann?" oder "Ich habe das Bedürfnis nach .... und möchte dies erleben/ausleben. Ich lade dich ein an dieser Erfahrung teilzunehmen und sie mit mir zu teilen. Solltest du das nicht wollen, möchte ich diese Erfahrung trotzdem machen."
Dies nur, weil sie mit ihren Selbstwertgefüh len nicht zurecht kommt und alles automatisch als schlecht betrachtet. Ja ehrlich sein ist nicht immer so einfach.
Trotzdem grossen respekt vor allen Jehnen, denen das gelingt.
Ich habe mit meiner Partnerin die Erfahrung gemacht, dass wenn wir uns in jedem Augenblick die Wahrheit sagen - hier meine ich auch die unmittelbaren Gefühle, die da sind -, dann entsteht Tiefe, echte Intimität. Sich wirklich nackt zeigen, braucht vielleicht Mut. Vor allem dann, wenn ich meine, dass meine Wahrheit den anderen verletzen könnte. Doch genau durch das Mitteilen dieser, meiner Wahrheit verändert sich etwas. Da entsteht Berührtheit und auch eine neue Verbundenheit, denn das Gegenüber weiss, dass dies MEINE Wahrheit ist. Ich nenne es auch ganz einfach Liebe :-)
Lieber Marco, deine Aussage würde ich gerne noch etwas differenzieren.
Respekt vor der anderen Person beinhaltet meiner Ansicht nach auch, den Mut zu finden, die eigenen Befindlichkeit ehrlich und (ich betone)in einer Haltung der Wertschätzung vor sich selbst UND zum Gegenüber zu vertreten und zu kommunizieren. Zu seinen Gefühlen zu stehen, das bedeutet für mich Wahrheit. Ich spreche nicht von einer globalen "Wissens"-Wahrheit. Denn wenn man zu seinen Gefühlen und seiner Befindlichkeit in Bezug auf eine Situation steht und sie ausspricht, besteht für die andere Person die Chance, dich zu spüren, einschätzen zu können UND die andere Person kann auf deinen Input reagieren und im besten Falle, daran wachsen. Wichtig ist hier noch anzufügen, dass niemand für das "Herkunftsdrama" der anderen Person verantwortlich ist, ausser die Person selbst.
Wenn wir nicht authentisch sind und uns auf, letztendlich egoistische Weise, fürchten zu zeigen wer und wie wir wirklich sind, dann verbauen wir Bezugspersonen die Chance festgefahrene Situationen zu erkennen und zu verändern. Diese gängige "Schonhaltung" anderen gegenüber ist der wahre "Verhinderer für ein lebendiges und befreites Miteinander".
Um also in respektvolle Kommunikation mit SICH SELBST und Anderen zu treten, muss erst einmal gelernt werden wie man sich respektvoll und authentisch mitteilen kann. Das wiederum ist die hohe Kunst und bedarf einer andauernden Auseinandersetz ung mit sich selbst.
Aber anstatt, dass wir lernen erst einmal mit uns selbst "wahrhaftig" in Kontakt zu kommen, leben wir lieber im SCHONMODUS mit uns selbst und unserem Umfeld.
So lange, bis dann eines Tages eine Person in unserem Beziehungskreis keine Lust mehr hat mit "gezogener Handbremse" in Kontakt mit uns zu sein.
Der Respekt vor dem Gegenüber und die Verantwortung für die Wirkung der eigenen Worte ist sicher höher einzuschätzen als die vermeintliche Wahrheit. Vielfach ist das, was wir als Wahrheit empfinden, geprägt vom Tanz um das goldene Kalb des eigenen Egos, geprägt von der eigenen veränderlichen Wahrnehmung der Wirklichkeit. Was wir heute ehrlich meinen, empfinden wir morgen als dummes, selbstverliebte s Geschwätz. "Wahrheit" ist ein grosses Wort, damit können Beziehungen, Menschen zerstört werden. Bleiben wir bescheiden: Das Wort über die Wahrheit ist nicht die Wahrheit selbst. Liebe Grüsse, Marco
Du sagst:"Wie kann ich entscheiden, was die Wahrheit ist?" Damit meine ich, dass jede Person, die mit sich selbst, sprich; mit ihrem Herzen verbunden ist, weiss, was die Wahrheit in dem Moment oder Situation ist. Und, "entscheiden" kannst du nicht. Du kannst die Wahrheit fühlen, spüren und wahr-nehmen. Denn Wahrheit befreit, kann schmerzen (Ent-täuschung), bringt Klarheit und schlussendlich Frieden.
konsequent sagen, was meine Wahrheit ist - lässt mir noch Freiraum. Freiraum für meine persönliche Wahrnehmung. Was ist für mich in diesem Augenblick die Wahrheit?
Noch ein ergänzender Gedanke: Kommunikation ist auch Verantwortung. Verantwortung für das, was Worte vermögen. Es gibt ein Gedicht, von dem ich mich leider nur noch in vagen Worten erinnere: Worte, leicht wie Pappelsamen, sind sie gesprochen, fliegen sie davon, manche tragen, manche schlagen Wurzeln, manche fliegen einfach davon... Wirkung, haben sie in jedem Fall.
Und wenn ich jetzt noch einen oberflächlichen Gedanken aus dem Konstruktivismu s beisteuern darf: wir schaffen uns die Realität - gemeinsam. Wie kann ich entscheiden, was die Wahrheit ist?
Liebe Grüsse
Tom
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