Stress im Pornoland
Gail Dines: Pornland – How Porn Has Hijacked Our Sexuality. Beacon Press, Boston 2010. 204 S., ca. 30 Fr.
Artikel von Bettina Weber Der aufgeschlossene Mensch hat ja überhaupt kein Problem mit Pornos. Im Gegenteil. Er versteckt sie nicht einmal mehr, wenn die Schwiegereltern zu Besuch kommen, und an Erotikmessen geht er auch ungeniert. Porno ist alltagstauglich geworden, chic sogar, und hat sich in alle Bereiche des Lebens geschlichen. In Musikvideos, in der Mode, in der Kunst, in der Werbung, überall ist Porno, und Darstellerinnen und Darsteller werden von seriösen Zeitungen interviewt.
Verdächtig sind heute vielmehr jene, die etwas dagegen haben. Verklemmt seien die, heisst es dann reflexartig, lustfeindlich, prüde, sexunlustig. Und wenn Frauen Kritik anbringen, sind sie zusätzlich frigide. Gail Dines, Soziologin und Feministin, die sich seit 20 Jahren mit dem Thema beschäftigt, kennt die Vorwürfe zur Genüge. Was sie nicht davon abhielt, ein Buch über eben jene Industrie zu schreiben, die es geschafft hat, salonfähig zu werden. mehr
Kommentar Nathalie Amiel:
Psychologisch gesehen, findet in der Umsetzung von pornografischen Interaktionen das Spiel "Macht-Ohnmacht" statt. Frauen, die nur dieses Muster kennen, über das sie körperliche Zuwendung bekommen, können nicht anders. Sie sind Opfer und Täterin zugleich. Denn mit ihren sexuellen Attributen können sie zugleich einen Mann von sich abhängig machen.
Glaubenssätze wie z.B. "Frauen müssen sich unterordnen" oder "als Frau bin ich nichts wert" wirken hier und bestimmen, welcher Art die sexuellen Begegnungen sind.
Es gehören immer zwei dazu! Frauen, die sich durch die Pornoindustrie benutzen lassen, bestätigen damit ihr "Muster". Sie sind in Resonanz mit diesen frauenfeindlichen Inhalten. Solange eine Frau unbewusst ihre negativen Glaubenssätze bestätigt und der Leidensdruck noch nicht gross genug ist, wird sie weiterhin ihr "schnelles" Geld damit machen und sich auch immer wieder "machtvoll" fühlen. Denn der Mann ist besessen von ihrer Möse.
In diesem pornografischen Spiel sind im Grunde beide, Frau und Mann Opfer, wobei der Mann, archaisch und pragmatisch gesehen, einfach mehr Muskelkraft hat und dadurch stärker ist (meistens).
Stress im Pornoland
